Beim Mobilitätsausschuss der Stadt Lüneburg am 31. März 2022 wurde ein neues Buskonzept beschlossen. Künftig sollen die Busse vom ZOB aus nicht mehr die Altstadt queren. Stattdessen wird der Busverkehr ab Dezember 2022 vom ZOB einheitlich über den Stadtring geführt. Das bringt erhebliche Veränderungen für verschiedene Linien mit sich. Diese stoßen von verschiedener Seite auf heftige Kritik.

Hier eine ausführliche Stellungnahme von Cécile Lecomte, Sprecherin von Lüneburg Barrierefrei, und weitere Rückmeldungen zu den Plänen.

Inhalt:

  • 1. Stellungnahme von Lüneburg Barrierefrei
  • 2. Weitere Stellungnahmen von Betroffenen
  • 3. Neues Buskonzept: Was ändert sich genau, welche Linien sind betroffen? 

 

1. Stellungnahme von Lüneburg Barrierefrei: Erhebliche Verschlechterung

Cécile Lecomte, Sprecherin von Lüneburg Barrierefrei, nimmt Stellung zu dem Konzept:

Für mich als Rollstuhlfahrerin ist das neue Konzept eine erhebliche Verschlechterung. Denn öfter Umsteigen bedeutet für mich:

  • ein größeres Risiko, dass der einzige Rolli-Platz besetzt ist und ich auf den Folgebus warten muss
  • mehr Aufwand und Anstrengung: Die Rampe muss aufgeklappt werden, ich muss im engen Bus rangieren, es gibt Ärger, weil andere Fahrgäste Platz machen müssen
  • längere und schwierigere Wege: Die Wege durch die Innenstadt sind mit dem Rolli ärgerlich und gefährlich. Kopfsteinpflaster und die vielen Kanten bedeuten immer Sturzgefahr. Radfahrende auf den Fußwegen sind eine große Verunsicherung.

Künftig kann ich mit der Linie 5014, die bei mir quasi vor der Haustür abfährt nicht mehr zum Sande fahren. Dort in der Nähe ist aber mein Facharzt, zu dem ich zweimal im Monat fahre.

Kein Beitrag zur Verkehrswende: Menschen werden künftig mehr mit dem Auto fahren

Für Menschen die schlecht zu Fuß sind, macht es einen erheblichen Unterschied, ob der Bus nah bei ihrem Ziel hält oder ob sie quer durch die Innenstadt laufen oder umsteigen müssen.

Die Maßnahme fördert das Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel nicht. Denn wenn man mit dem Bus nicht ans Ziel kommt und umständlich um die Innenstadt fahren muss - wer kommt da nicht auf die Idee, dass das Auto praktischer ist?

Wie soll ich andere Menschen mit Behinderung überzeugen, mit den Öffis zu fahren, wenn es so umständlich ist und sie dagegen mit dem Auto, falls sie eines haben, direkt zu ihrem Ziel kommen?

Wer durch Alter oder Behinderung schlecht zu Fuß unterwegs ist, verliert Möglichkeiten zur Teilhabe. Das tut weh - und ist ein Rückschritt, was Inklusion und Behindertenrechtscharta angeht.

 

2. Weitere Stimmen: Planung nur für gesunde, junge Menschen?

Dazu erreichten uns weitere Rückmeldungen.

Neues Buskonzept schließt Ältere und Behinderte aus

Ich möchte mich im Namen von über 300 Bewohnern der Seniorenwohnanlagen Bülows Kamp und Klosterkamp zur geplanten Änderung der Streckenführung der Linie 5014 an Sie wenden. Man bekommt das Gefühl, als wenn die Zukunft nur noch von jungen gesunden Menschen für junge gesunde Menschen geplant wird.
Hat bei Ihrer Planung auch mal jemand an die alten und nicht mehr so mobilen Menschen gedacht?

Jedes Ein- und Aussteigen mit Rollator oder Gehhilfen ist anstrengend und birgt auch immer eine Sturzgefahr! In Zukunft sollen wir aber am Bahnhof umsteigen und oder einen weiten Fußweg in Kauf nehmen.

Innenstadt wird schwerer erreichbar

Viele Bewohner hier haben ihre Ärzte, Apotheken und spezielle Geschäfte in der Innenstadt. Wie sollen sie denn da noch hinkommen?

Und auch nur mal am Sande bei einer Tasse Kaffee dem quirligen Treiben zuzusehen um das Gefühl zu haben noch am Leben teilzuhaben, werden sich in Zukunft wegen der erschwerten Erreichbarkeit viele ältere Menschen versagen. Ist das wirklich so gewollt?

Jutta S., Lüneburg

Umwege und Wartezeiten für die Fahrt nach Bardowick

Wir haben das Thema Buskonzept Lüneburg in unserer heutigen Sitzung diskutiert. Die Verlegung der Abfahrt nach Bardowick vom Sande zum Reichenbachplatz ist für Senioren eine erhebliche Umstellung.

Es kann der Umweg mit dem Bus vom Sande zum ZOB genommen werden, aber man muss sich auf Wartezeiten bis zur Weiterfahrt nach Bardowick einstellen.

ZOB: Keine Toiletten, nicht genug wettergeschützte Warte- und Sitzgelegenheiten

Es gibt am ZOB keine Toiletten und auch nicht genug wettergeschützte Sitzgelegenheiten und Unterstellmöglichkeiten. Diese Umstände sollte man bei der Erstellung des Buskonzepts aus unserer Sicht mit bedenken.

Seniorenbeirat Samtgemeinde Bardowick

 

3. Information: “Neues Buskonzept Innenstadt”

Längere Wege, längere Fahrtzeiten für Fahrgäste der betroffenen Linien – auch Schülerverkehr betroffen

Das neue Buskonzept für die Innenstadt wurde am 31. März 2022 im Mobilitätsausschuss der Stadt Lüneburg beschlossen. Hintergrund ist der Wunsch, die Busse, die als Störung wahrgenommen werden, aus der Innenstadt zu entfernen. Das Anliegen ist nachvollziehbar. Die vorgesehene Lösung ist jedoch für viele eine erhebliche Verschlechterung.

Die Umstellung ist für Dezember 2022 vorgesehen. Wie der dazugehörigen Vorlage “Entlastung der Innenstadt vom ÖV”, Nr. VO/09992/22 (mehr), zu entnehmen, sollen künftig keine Busse mehr vom ZOB kommend die Altstadt queren – auf der Karte unten als lila Route zu sehen.

Stattdessen soll der Busverkehr künftig vom ZOB aus einheitlich der Route über den Stadtring folgen: Am Schifferwall – Reichenbachplatz – Bürgeramt – Markt. Durch den Wegfall der unten lila eingezeichneten Route entfallen auch die daran liegenden Haltestellen. 

Veränderungen beim Busverkehr stadtauswärts (Karte unten)

Das zieht umfangreiche Veränderungen in den Linienführungen nach sich, die in der Vorlage beschrieben sind. Diese gelten für die Routen vom ZOB kommen stadtauswärts.

  • Linie 5002 Richtung Bardowick und Linie 5014 Richtung Klosterkamp halten vom ZOB aus kommend nur am Reichenbachplatz. Wer in der Innenstadt ist und mitfahren will, muss also entweder zum ZOB oder zum Reichenbachplatz laufen. Oder alternative Buslinien nutzen, die in die Nähe des Fahrtziels führen.
  • Linie 5005 Richtung Ochtmissen TeilfeldLinie 5009 Richtung MechtersenLinie 5013 Richtung Reppenstedt halten vom ZOB aus kommend am Bürgeramt und Rathaus. Wer zum Beispiel Am Sande, bei der Volkshochschule oder beim Theater war und diese Busse nutzen will, muss zur Haltestelle Rathaus hinter dem Marktplatz laufen.

Eine Alternative wäre es ggf., einen Bus nutzen, der auf der Hinfahrt zum ZOB ist. Sinn macht das jedoch nur, wenn die Busse vom ZOB aus ohne längere Pause weiterfahren. Auf jeden Fall verlängert sich die Fahrtzeit damit deutlich.

Vorgesehene Ausnahmeregelungen während des Weihnachtsmarktes

  • Für die Linie 5002 stadteinwärts entfällt die Haltestelle Rathaus.
  • Bei den Linien 5005, 5009 und 5013 wird die Haltestelle Rathaus während des Weihnachtsmarkts angefahren, außer an Wochenmarkttagen.

Unter den Folgenabschätzungen wird genannt, dass damit “die Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem ÖPNV ausgeweitet wird.” Und: “Die mit dieser Maßnahme geförderte aktive Mobilität [längere Fußwege?] ist gesund für den Körper und die Psyche.”

Änderung Busrouten Innenstadt. Mit Lila eingefügt ist die bisherige Routenführung. Grafik: Hansestadt Lüneburg, Vorlage VO/09992/22.


Netzpläne Stadtverkehr Lüneburg

  • Hansestadt Lüneburg: Nahverkehr – Liniennetzplan – mehr
  • KVG: Liniennetz Lüneburg – mehr
  • Fahrplanauskunft auch für den Busverkehr in Lüneburg beim HVV: mehr